Fellpflege und Felltypen

Darf man einen Hund scheren? Unterwolle, Sommerhitze und welche Rassen nicht

Darf man einen Hund scheren? Was das Tierschutzrecht sagt, warum Salons Hunde mit Unterwolle selten scheren und was im Sommer gegen Hitze hilft.

Die kurze Antwort: Ja, man darf einen Hund scheren. Kein Gesetz in der Schweiz verbietet es. Ob es sinnvoll ist, hängt aber vom Fell ab. Bei einem Pudel gehört die Schur zur normalen Pflege, bei einem Golden Retriever oder Husky raten die meisten Hundecoiffeure davon ab. Dieser Ratgeber erklärt, warum, und was stattdessen hilft – gerade im Sommer.

Was das Tierschutzrecht sagt

Die Tierschutzverordnung (TSchV) zählt auf, was bei Hunden verboten ist: unter anderem das Coupieren von Rute und Ohren, das Zerstören der Stimmorgane und der Einsatz lebender Tiere zur Ausbildung (Art. 22 TSchV). Das Scheren steht nicht in dieser Liste. Für alle Tiere gilt, dass Misshandeln und Vernachlässigen verboten sind (Art. 16 Abs. 1 TSchV). Eine fachgerechte Schur ist weder das eine noch das andere.

Zwei Pflichten der Halterinnen und Halter sind trotzdem wichtig. Wo das arttypische Körperpflegeverhalten eingeschränkt ist, muss es durch Pflege ersetzt werden (Art. 5 Abs. 3 TSchV) – bei Hunden mit ständig wachsendem Haar gehört der regelmässige Schnitt dazu. Und Tiere, die sich der Witterung nicht anpassen können, brauchen den notwendigen Schutz (Art. 6 TSchV). Hundecoiffeure weisen darauf hin, dass eine kurze Schur bei Hunden mit Unterwolle diesen Wetterschutz schwächen kann (mehr dazu unten).

Strenger sind die Regeln für Ausstellungshunde. Der FCI-Standard des Siberian Husky etwa erlaubt nur das Kürzen der Tasthaare und der Haare an den Pfoten; das Trimmen an jeder anderen Stelle soll bei der Bewertung «streng bestraft» werden. Ähnlich streng ist der Standard des Havanesers: Er verbietet für die Ausstellung jedes Ausgleichen der Haarlänge mit der Schere und jede Art von Trimmen. Für einen Familienhund sind solche Regeln keine Vorschrift; beim Havaneser ist ein kürzerer Pflegeschnitt im Alltag trotzdem verbreitet.

Welches Fell man scheren kann

Ob eine Schur passt, entscheidet der Felltyp:

Felltyp Beispiele Schur üblich?
Ständig wachsendes Haar Pudel, Bichon, Malteser, Yorkshire Terrier, Havaneser, Doodles ja, regelmässig (Ausstellungshunde nach Standard teils nicht)
Rauhaar Schnauzer, viele Terrier, Rauhaardackel nein, meist Trimmen
Doppelfell mit Unterwolle Golden Retriever, Husky, Spitz, Australian Shepherd, Berner Sennenhund nein, meist Auskämmen
Kurzhaar Labrador, Chihuahua Kurzhaar, Mops nicht nötig

Hunde der ersten Gruppe haben kaum Unterwolle. Beim Malteser heisst es im FCI-Standard: «Es gibt keine Unterwolle.» Beim Havaneser ist das Unterhaar «schwach entwickelt, oft ganz fehlend». Ihr Haar wächst weiter, verfilzt ohne Schnitt und hängt irgendwann über Augen und Pfoten. Für sie ist die Schur im Hundesalon keine Frage des Ob, sondern der Länge.

Hunde mit Unterwolle: warum Salons abraten

Viele Rassen haben ein doppeltes Haarkleid aus längerem Deckhaar und dichter Unterwolle. Die FCI-Standards beschreiben es zum Beispiel beim Golden Retriever («dense water-resisting undercoat»), beim Siberian Husky («Die Unterwolle ist weich und dicht») und bei allen Deutschen Spitzen bis zum Pomeranian («kurze, dicke, wattige Unterwolle»). Beim Australian Shepherd ändert sich die Dichte der Unterwolle laut Standard mit den klimatischen Bedingungen.

Hundecoiffeure begründen ihre Zurückhaltung beim Scheren unterschiedlich, aber in dieselbe Richtung. Der Hundesalon Che Bello in Binningen schreibt, Unterwolle und Deckhaar bildeten eine Schutzschicht, die dem Temperaturausgleich diene; eine Schur würde «den Wetterschutz zerstören», ausserdem verändere sich die Fellstruktur. Bei älteren Hunden habe man erlebt, dass das Fell nicht mehr richtig nachwachse. Der Hundesalon Panda in Muhen formuliert es allgemeiner: Das Kürzen sei bei jedem Hund möglich, aber nicht jedes Fell vertrage es gleichermassen.

Die Alternative ist das Auskämmen der Unterwolle: Nach dem Bad wird die lose Unterwolle ausgeblasen und ausgekämmt, das Deckhaar bleibt stehen. Der Hundesalon Mocca in Läufelfingen schreibt dazu, das abgestorbene Haar müsse entfernt werden, damit Luft zirkulieren könne; so werde Hautkrankheiten und Hitzestau vorgebeugt.

Was die Veterinärdermatologie dazu sagt

Dass Fell nach einer Schur lange nicht nachwächst, ist als Krankheitsbild beschrieben: die Post-Clipping-Alopezie. Laut dem Dermatologie-Handbuch der University of Minnesota (2025, Sheila M. F. Torres, Fachtierärztin für Dermatologie) wächst das Fell nach einer Schur meist innert 3 bis 4 Monaten nach. Bei manchen Hunden ist es erst nach 12 bis 24 Monaten vollständig nachgewachsen. Betroffen sein kann jede Rasse, häufiger beobachtet wird es bei Rassen mit dichtem, langem Plüschfell. Die Ursache ist nicht geklärt; vermutet werden Veränderungen der Hauttemperatur nach der Schur, die die Haarfollikel in eine Ruhephase schicken. Bei Hunden mittleren und höheren Alters sollte die Tierärztin hormonelle Ursachen wie eine Schilddrüsenunterfunktion ausschliessen, bevor sie von einer Post-Clipping-Alopezie ausgeht.

Für Hundehalterinnen und -halter heisst das nicht, dass jede Schur schadet. Wer einen Hund mit dichter Unterwolle kurz scheren lassen will, sollte aber wissen, dass das Fell unter Umständen lange braucht, und die Schur bei Unsicherheit mit der Tierärztin besprechen.

Golden Retriever, Aussie, Husky: ja oder nein?

Diese Rassen werden besonders oft gesucht. Die Antwort ist für alle ähnlich:

  • Golden Retriever: Unterwolle auskämmen, Pfoten, Ohren und Hosen zurückschneiden. Kurz geschoren wird nur bei starkem Filz oder auf tierärztlichen Rat.
  • Australian Shepherd und Border Collie: wie beim Golden; im Fellwechsel lohnt sich ein Termin besonders.
  • Siberian Husky und Samojede: nicht scheren, sondern regelmässig auskämmen; der Rassestandard des Husky beschreibt das dichte Doppelfell als Merkmal der Rasse.
  • Berner Sennenhund: Salons nennen ihn regelmässig unter den Rassen, bei denen Unterwolle reduziert statt geschoren wird.
  • Spitz und Pomeranian: Der Standard beschreibt ein doppeltes Haarkleid mit dichter Unterwolle; auch hier ist Auskämmen die übliche Pflege.

Scheren im Sommer: was gegen Hitze hilft

Gerade im Sommer fragen viele Halterinnen und Halter, ob eine kurze Schur hilft. Bei Hunden mit ständig wachsendem Haar kann ein kürzerer Schnitt angenehmer und leichter zu pflegen sein. Bei Hunden mit Unterwolle setzen Salons eher darauf, die abgestorbene Unterwolle zu entfernen. Che Bello weist zudem auf Filzmatten hin: Sie seien wasserundurchlässig, stark isolierend und verursachten Hitzestau. Aus Sicht dieser Salons ist ein gut ausgekämmtes Fell ohne Filz an heissen Tagen deshalb hilfreicher als ein kurzes; wissenschaftliche Untersuchungen dazu haben wir nicht gefunden.

Unabhängig vom Fell gilt: Schatten, frisches Wasser, Ruhe in der Mittagshitze und Spaziergänge in den kühleren Stunden sind an heissen Tagen für jeden Hund wichtig, ob geschoren oder nicht.

Wann eine Schur trotzdem die richtige Wahl ist

Es gibt Situationen, in denen auch ein Hund mit Unterwolle geschoren wird:

  • Starker Filz: Liegt der Filz dicht an der Haut, ist eine kurze Schur oft schonender als stundenlanges Entfilzen. Das Fell wächst danach nach.
  • Medizinische Gründe: Hautprobleme oder tierärztliche Behandlungen können eine Schur nötig machen. Das entscheidet die Tierärztin.
  • Alter und Belastbarkeit: Ein alter Hund, der langes Auskämmen schlecht erträgt, ist mit einem kürzeren, pflegeleichten Fell manchmal besser bedient.

Lässt sich ein Hund nur unter Beruhigungsmitteln scheren, gehört er in die Tierarztpraxis; mehr dazu im Ratgeber Angst im Hundesalon. Ein guter Salon erklärt Ihnen vor dem Termin, warum er bei Ihrem Hund zur Schur oder zum Auskämmen rät. Salons nach Leistung und Region finden Sie im Verzeichnis.

Häufige Fragen

Ist es verboten, einen Hund zu scheren?
Nein. Die Tierschutzverordnung verbietet bei Hunden unter anderem das Coupieren von Rute und Ohren (Art. 22 TSchV), nennt das Scheren aber nicht. Verboten ist allgemein, ein Tier zu misshandeln oder zu vernachlässigen (Art. 16 TSchV). Eine fachgerechte Schur fällt nicht darunter.
Welchen Hund darf man nicht scheren?
Ein gesetzliches Verbot gibt es für keine Rasse. Fachlich raten viele Hundecoiffeure bei Hunden mit dichter Unterwolle von einer kurzen Schur ab, etwa bei Golden Retriever, Husky, Spitz, Australian Shepherd, Berner Sennenhund oder Schäferhund. Bei Rauhaarhunden wie Schnauzer oder vielen Terriern ist Trimmen die übliche Methode.
Darf man einen Golden Retriever scheren?
Erlaubt ist es, üblich ist es nicht. Der Rassestandard beschreibt beim Golden Retriever eine dichte, wasserabweisende Unterwolle. Salons kämmen die lose Unterwolle meist aus und schneiden nur Pfoten, Ohren und Hosen zurück. Eine kurze Schur kommt vor allem bei starkem Filz oder aus medizinischen Gründen in Frage.
Hilft Scheren gegen Hitze im Sommer?
Bei Hunden mit ständig wachsendem Haar kann ein kürzerer Schnitt im Sommer angenehmer und leichter zu pflegen sein. Bei Hunden mit Unterwolle empfehlen Salons eher, die abgestorbene Unterwolle auszukämmen, damit Luft an die Haut kommt. Unabhängig von der Felllänge brauchen Hunde an heissen Tagen Schatten, Wasser und Ruhe.
Wächst das Fell nach dem Scheren wieder nach?
In der Regel ja. Laut dem Small and Large Animal Dermatology Handbook der University of Minnesota wächst das Fell meist innert 3 bis 4 Monaten nach. Bei manchen Hunden dauert es 12 bis 24 Monate; Rassen mit dichtem, langem Plüschfell sind häufiger betroffen. Wächst das Fell bei einem älteren Hund nicht nach, sollte die Tierärztin hormonelle Ursachen abklären.

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